Vorschau

Egon Schiele
Freiheit des Ichs

14.10.2018 bis 06.01.2019

Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912, Öl auf Holz, 42,2 x 33,7 cm, Leopold Museum, Wien, Inv. 462 © Fotografie Leopold Museum, Wien
Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912,
Öl auf Holz, 42,2 x 33,7 cm, Leopold Museum, Wien, Inv. 462
© Fotografie Leopold Museum, Wien

Egon Schiele (Tulln 1890 – 1918 Wien) gehört ohne Zweifel neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bekanntesten und faszinierendsten Künstlern Österreichs und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Dem nur 28 Jahre alt gewordenen Maler und Zeichner gelang innerhalb kürzester Zeit die Ausbildung eines unverkennbaren Stils und die frühe Anerkennung über die Grenzen Österreichs hinaus. Er galt als Bürgerschreck und Provokateur, inszenierte sich als Märtyrer und leidenschaftlicher Kämpfer in einer Zeit, in der in Wien Aufbruchs- und Untergangsstimmung aufeinanderprallten.

Die Ausstellung in Schweinfurt soll sein Werk unter den Aspekten Körperdarstellung, Gefühlswelt und Subjektivität erschließen. Die menschliche Gestalt steht im Mittelpunkt der Kunst Schieles. Er wollte vor allem Neues entdecken, spielte aber durchaus auch mit der Provokation. Er nutzte den Körper als Gestaltungselement, als Ausdrucksmittel innerer Vorgänge, manchmal in Anlehnung an kunsthistorische Vorbilder oder an die Natur und scheint auch aus der expressiven Gestik des Theaters und des frühen Films Inspiration gezogen zu haben. Als wissenschaftlicher Hintergrund dient für Ausstellung und Katalog zudem die von Sigmund Freud eröffnete psychologische Auseinandersetzung mit dem vom Unterbewusstsein bestimmten Ich. Ebenfalls soll der These nachgegangen werden, dass auch die Kriegsfotografie der Balkankriege und des Ersten Weltkrieges Einfluss auf die verstörende Körperdarstellung Schieles hatte.

Zu den Gemälden und Zeichnungen, die das Leopold Museum ausleiht, treten inhaltlich erweiternd und ergänzend Fotografien, Gedichte und archivalische Dokumente.

Die Ausstellung ist einer Kooperation mit dem Leopold Museum in Wien – der weltweit größten Schiele-Sammlung – zu verdanken. Nachdem 2017 Hauptwerke Carl Spitzwegs aus der Sammlung des Museums Georg Schäfer in Wien zu sehen waren, können nun im Gegenzug 38 ausgewählte Werke Egon Schieles aus der Privatsammlung Leopold in Schweinfurt gezeigt werden. Dieser bedeutende Werkkomplex wird zum ersten Mal in Deutschland ausgestellt und setzt im Museum Georg Schäfer eine Kunstthematik fort, die 2016 mit der Ausstellung Lockruf der Décadence begonnen wurde.

Eintritt: 11 €, ermäßigt: 9 €.

 

Farbharmonie als Ziel
Adolf Hölzel auf dem Weg zum Ungegenständlichen

03.02. bis 01.05.2019

Adolf Hölzel: Ohne Titel, um 1920, Pastell, Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart

Adolf Hölzel: Ohne Titel, um 1920, Pastell, Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart
© Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart

Diese Ausstellung geht den Stationen eines führenden Wegbereiters der Moderne, Adolf Hölzel (1853-1934), nach und zeigt sein langsames, stets didaktisch und theoretisch untermauertes Herangehen an die Abstraktion – zu deren eigentlichen Begründern er zählt. Dabei sollen sowohl die einzelnen Schritte wie auch die künstlerische Vielfalt seines Œuvres deutlich werden. Hierzu zählen sowohl Pastelle und Ölbilder als auch die bisher als bloßen „Fingerübungen“ betitelten Tuschzeichnungen. Hölzel bezieht zudem, darin Kandinsky ähnlich, die Schrift als intellektuelles Zusatzmedium ein, wobei die Frage, ob Text und Bild jeweils eine Einheit bilden, noch nicht beantwortet ist.

Für dieses Ausstellungsvorhaben werden circa 100 Arbeiten aus dem Besitz der Hölzel Stiftung, Stuttgart, und aus der bedeutendsten Privatsammlung zu Hölzel geliehen. Bei vielen Werken kommt es deshalb zu einer Erstpräsentation für die Öffentlichkeit. Ein Katalog und ein reiches Begleitprogramm bereichern die Ausstellung.

Henri de Toulouse-Lautrec
Auf den Bühnen von Paris (1891 – 1899)

Mai - September 2019

Henri de Toulouse-Lautrec:Ambassadeurs – Aristide Bruant (Detail), 1892, Musèe D‘Ixelles, Büssel, Abbildung via Institut für Kulturaustausch

Henri de Toulouse-Lautrec: Ambassadeurs – Aristide Bruant (Detail), 1892,
Musèe D‘Ixelles, Brüssel Abbildung via Institut für Kulturaustausch

Henri de Toulouse-Lautrec hat sie alle gekannt: die Stars der Pariser Revuen, der Cabarets und der Theater. Das Nachtleben der Belle Époque im Vergnügungsviertel am Montmartre zog damals die Bohème gleichermaßen an wie das Finanzbürgertum und - nicht zuletzt – die Touristen. Ab 1891 entwarf er für Veranstaltungen Plakate, die so faszinierend waren, dass sie sogleich von Kunstfreunden gesammelt wurden. Dieses Plakatwerk wird hier lückenlos gezeigt.

Zusammen mit seinen Kollegen Jules Chéret, dem Tschechen Alfons Mucha, der seit 1889 in Frankreich lebte, und Theóphile-Alexandre Steinlen prägte Toulouse-Lautrec damit einen eigenen Stil zwischen Impressionismus, Japonismus und Art Nouveau. Als Werbeträger bedienten sie sich des Farbdrucks der Chromolithographie. Sie erschufen damit eine eigene Bildwelt für den Auftritt der Schauspieler Aristide Bruant, der Schleiertänzerin Loie Fuller, der im Moulin Rouge arbeitenden Tänzerin Jane Avril und der weitgereisten Sängerin Yvette Guilbert. Mit dem Schwung der aus den Bildern sprühenden Lebenslust wandten sie ihre Darstellungsformen auch auf andere Motive an und beeinflussten damit bald ganz Europa.

Das Museum Georg Schäfer zeigt zusätzlich zu den mehr als 50 Werken biografisches und historisches Material (Filme, Fotografien) aus der einzigartigen Sammlung des Musée d’Ixelles, Brüssel.

 

Josef Wopfner
Landschaftsmalerei zwischen Naturidylle und Dramatik

Ende Mai bis September 2019

Henri de Toulouse-Lautrec:Ambassadeurs – Aristide Bruant (Detail), 1892, Musèe D‘Ixelles, Büssel, Abbildung via Institut für Kulturaustausch

Josef Wopfner: Verfolgung von Wilderern auf dem Chiemsee, 1884/87,
Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

1843 in Tirol geboren, übersiedelte Josef Wopfner in den 1860er Jahren nach München.  Über Umwege als Stubenmaler und Lithograph gelangte er 1864 als Schüler an die Münchner Akademie. Nach dem Ende seiner Ausbildung entdeckte er die süddeutschen Seen, ihr Umland und die dortigen Menschen für sich. Während er die Wintermonate in seinem Münchner Atelier verbrachte, nutzte er den Rest des Jahres zu ausgiebigen Studienreisen z. B. auf die Chiemsee Inseln. In idyllischen ebenso wie in teils dramatischen Kompositionen widmete er sich diesen Motiven bis zu seinem Tod 1927. Dabei ist seine Landschaftsmalerei nie Selbstzweck. Vielmehr bildet sie den Rahmen einer zeitlosen Auseinandersetzung: dem Zusammenleben von Mensch und Natur.

Die Ausstellung zeigt neben Gemälden Wopfners zahlreiche Zeichnungen und Skizzenbücher aus dem Nachlass des Künstlers. Anhand dieser Bestände aus der Sammlung Georg Schäfer kann ein Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers und den Entstehungsprozess seiner Werke gegeben werden.

Ludwig Richter
Schöne heile Welt

Oktober 2019 bis Januar 2020

Ludwig Richter: Frau mit Kindern an der Quelle/Am Brunnen, 1868, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Ludwig Richter: Frau mit Kindern an der Quelle/Am Brunnen, 1868,
Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen Generationen mit den Illustrationen Adrian Ludwig Richters (1803-1884) auf, blätterten durch Richter-Alben und sahen die deutschen Märchen und Sagen mit seinen Augen. Wie kaum ein anderer deutscher Künstler steht er für die Entdeckung der ländlichen und kleinstädtischen, kleinbürgerlichen, familiären Lebenswelt und ihre Tugenden.

Der Künstler hatte als Ansichten-Zeichner begonnen, dann studiert und war 1823 nach Italien gereist, wo er sich bis 1826 dem Kreis der Romantiker anschloss. Bis in die 1830er beschäftigten ihn neben den Landschaften seiner Heimat die Motive des Südens, doch zeigte sich bald, dass er auf einem anderen Gebiet weit mehr Erfolg haben sollte – mit seinen Illustrationen. Er wurde zu einem der bekanntesten Illustratoren Deutschlands, entwickelte hierbei eine enorme Produktivität, verhalf dem Holzschnitt in Deutschland zu neuem Leben, ebenso der Kinderliteratur. Schon zu Lebzeiten galt er als lebendes Nationaldenkmal.

Die Ausstellung will den Blick aus heutiger Sicht auf die Bildwelt Richters lenken und Fragen nach seiner Aktualität stellen. Zeigt sich in seinen Werken nicht ein allgemeingültiger Gehalt und eine bis heute aktuelle Sehnsucht nach dem Schönen und Heilen?