Vorschau

Prachtvoll illuminirt
Das Handkolorit
in der Druckgrafik (1493-1870)

13.05.2018 bis 15.08.2018

Josef Schönherr: Die Martinswand bei Innsbruck, 1832,
Josef Schönherr: Die Martinswand bei Innsbruck, 1832,
altaquarellierte Aquatinta, Sammlung Frank Stuttgart

Diese Ausstellung bietet den Besuchern erstmals die einzigartige Möglichkeit, einen vergessenen Bereich der Kunst zu entdecken. ILLUMINATIONEN. Denn obwohl vor der Erfindung des Farbdrucks die Grafik vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert handkoloriert wurde, erfolgte in der Forschung keine Würdigung jener Technik als eigenständige Kunstform. Dazu trug unter anderem die lange bestehende Vorstellung bei, dass das Illuminieren entlang der grafischen Vorgabe der Stecher erfolgte und damit lediglich ein serielles „Ausmalen“ von Flächen gewesen sei. Dass dies jedoch nicht der Fall war, zeigt ein genauerer Blick auf die spannende Entwicklung des Handkolorits. Zunächst dienten frühe Illuminationen tatsächlich vorwiegend der Hervorhebung einzelner Buchstaben, der figürlichen und szenischen Illustration von Texten sowie der Gestaltung von Seitenrändern.

Bereits die im 16. Jahrhundert entstandenen Werke überraschen den heutigen Betrachter mit teils recht flott aufgepinselten Aquarell- und Gouachefarben, welche sogar ab und zu über die Kontur hinausragen. Damit stellten sie eine erstaunliche Befreiung aus den Grenzen der zugrundeliegenden Grafik dar – nebenbei sind sie interessante Zeugnisse künstlerischer Freiheit. Während der Dürer-Rezeption des Manierismus erfuhr das Handkolorit im sogenannten Fürstenkolorit einen ersten neuen Höhepunkt. Echtgold und Silber wurden dabei auf das Papier übertragen. Ende des 17. Jahrhunderts griffen die Künstler wieder vermehrt zu dünnen Pinseln, um beispielsweise für wissenschaftliche Werke im Bereich der Botanik zarte Blüten, kleine Knospen und feine Blätter für die Ewigkeit einzufangen.  

Seinen gestalterischen Höhepunkt fand die Illuminierung schließlich im 18. und 19. Jahrhundert. So warben Verlage noch in diesem Zeitraum damit, für die Kolorierung Spezialisten von weit her geholt zu haben. Auch ein Brief von Goethe an Charlotte von Stein aus dem Jahr 1782 unterstreicht die ungebrochene Begeisterung und Wertschätzung für das Handkolorit:

Ein köstlich illuminirt Kupfer nach Raphael hab ich bey dem Herzog gesehn. Durch diese obgleich immer sehr unvollkommne Nachbildung sind mir wieder ganz neue Gedancken aufgeschlossen worden. Wenn du es nur sehen könntest.

Um der Grafik individuelle Farbkraft zu verleihen, hatten jahrhundertelang zahlreiche herausragende Künstler von Albrecht Dürer über Maria Sybilla Merian bis hin zu den oft anonymen Meistern des 19. Jahrhunderts zur Technik des Handkolorits gegriffen. Erst durch die Farbdrucktechnik der Chromolithographie um 1860 verlor die Handkolorierung schließlich an Bedeutung.

Insgesamt präsentiert die Ausstellung circa 172 Exponate als Leihgaben einer Privatsammlung sowie  28 Grafiken und Bücher aus der Sammlung des Museums Otto Schäfer in Schweinfurt. Sie zeigt die bislang noch unerforschte Welt des Handkolorits in der europäischen Druckgrafik über eine Zeitspanne von etwa 400 Jahren und über mehrere Stilepochen hinweg. Anhand der über zweihundert für die Entwicklung des Handkolorits bedeutenden Werke kann der Besucher hier ein ganz neues Terrain erkunden.

Als weltweite Erstpublikation zum Thema entsteht im Hirmer-Verlag ein hochwertiger Ausstellungskatalog mit circa 200 Abbildungen.

Kurator: Dr. Wolf Eiermann

Eintritt: 7 €, ermäßigt: 6 €

Egon Schiele
Freiheit des Ichs

14.10.2018 bis 06.01.2019

Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912, Öl auf Holz, 42,2 x 33,7 cm, Leopold Museum, Wien, Inv. 462 © Fotografie Leopold Museum, Wien
Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912,
Öl auf Holz, 42,2 x 33,7 cm, Leopold Museum, Wien, Inv. 462
© Fotografie Leopold Museum, Wien

Egon Schiele (Tulln 1890 – 1918 Wien) gehört ohne Zweifel neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bekanntesten und faszinierendsten Künstlern Österreichs und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Dem nur 28 Jahre alt gewordenen Maler und Zeichner gelang innerhalb kürzester Zeit die Ausbildung eines unverkennbaren Stils und die frühe Anerkennung über die Grenzen Österreichs hinaus. Er galt als Bürgerschreck und Provokateur, inszenierte sich als Märtyrer und leidenschaftlicher Kämpfer in einer Zeit, in der in Wien Aufbruchs- und Untergangsstimmung aufeinanderprallten.

Die Ausstellung in Schweinfurt soll sein Werk unter den Aspekten Körperdarstellung, Gefühlswelt und Subjektivität erschließen. Die menschliche Gestalt steht im Mittelpunkt der Kunst Schieles. Er wollte vor allem Neues entdecken, spielte aber durchaus auch mit der Provokation. Er nutzte den Körper als Gestaltungselement, als Ausdrucksmittel innerer Vorgänge, manchmal in Anlehnung an kunsthistorische Vorbilder oder an die Natur und scheint auch aus der expressiven Gestik des Theaters und des frühen Films Inspiration gezogen zu haben. Als wissenschaftlicher Hintergrund dient für Ausstellung und Katalog zudem die von Sigmund Freud eröffnete psychologische Auseinandersetzung mit dem vom Unterbewusstsein bestimmten Ich. Ebenfalls soll der These nachgegangen werden, dass auch die Kriegsfotografie der Balkankriege und des Ersten Weltkrieges Einfluss auf die verstörende Körperdarstellung Schieles hatte.

Zu den Gemälden und Zeichnungen, die das Leopold Museum ausleiht, treten inhaltlich erweiternd und ergänzend Fotografien, Gedichte und archivalische Dokumente.

Die Ausstellung ist einer Kooperation mit dem Leopold Museum in Wien – der weltweit größten Schiele-Sammlung – zu verdanken. Nachdem 2017 Hauptwerke Carl Spitzwegs aus der Sammlung des Museums Georg Schäfer in Wien zu sehen waren, können nun im Gegenzug 38 ausgewählte Werke Egon Schieles aus der Privatsammlung Leopold in Schweinfurt gezeigt werden. Dieser bedeutende Werkkomplex wird zum ersten Mal in Deutschland ausgestellt und setzt im Museum Georg Schäfer eine Kunstthematik fort, die 2016 mit der Ausstellung Lockruf der Décadence begonnen wurde.

Eintritt: 11 €, ermäßigt: 9 €.