10 Jahre Museum Georg Schäfer Schweinfurt - Meisterwerke der Portraitkunst
Otto Scholderer, Mädchen mit einer Schüssel Kirschen, 1882, © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

 

10 Jahre Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Jubiläumsausstellung

 

Meisterwerke der Portraitkunst

Aus dem Gesamtbestand der bedeutenden Privatsammlung der Kunst des 19. Jahrhunderts

 

Gemälde und Arbeiten auf Papier

9. Mai 2010 bis 31. Oktober 2010

 

Im September kostenfreier Eintritt in die Sonderausstellung

 

Lesen Sie zur Ausstellung auch den Artikel der FAZ vom 20.8.2010.

 

Zu Ehren des Sammlers Georg Schäfer (1896-1975) und des zehnjährigen Bestehens des Museums Georg Schäfer findet diese Jubiläumsausstellung statt. Sie eröffnet erstmals aus dem Gemälde- und Graphikbestand des Hauses ein weites Spektrum der Portraitkunst, das dem hier erwählten Sammlungsschwerpunkt der Kunst des 19. Jahrhunderts aus dem deutschsprachigen Bereich gewidmet ist. Eine Länderabgrenzung wird damit bloß oberflächlich vollzogen, denn auch das Fach des Bildnisses entwickelte sich unter multilateralen Einflüssen. Im Laufe des Jahrhunderts unterlag es vielerlei Moden und kurzzeitigen Wandlungen.

Eloquent verfolgte das Bildnis in Deutschland seine künstlerische Bahn besonders um 1900, desgleichen mit den ausgestellten Vertretern Corinth, von König, Slevogt, ferner mit weniger erforschten Einzelgängern wie Zumbusch und Exter. Die Konzentration auf die reine Bildnismalerei blieb selten. Franz von Lenbach gehörte zu den Stilikonen der Portraitkunst. Mit seiner Potentatengalerie schöpfte er gesellschaftlichen Ruhm ab, die Einseitigkeit der Bildniskunst im Alter schmerzlich konstatierend.

In Nachbarländern wurde ein hoher Status der Portraitkunst über

 

wesentlich längere Zeitachsen als in Deutschland gepflegt. So prosperierte in England schon seit William Hogarth die Bildnismalerei bis hin zur „Portraitmanufaktur“. In Italien zielte sie lange auf das favorisierte Familienbildnis. In Frankreich strahlte ihr Stern über Jahrzehnte nach der Phase der Eleganz und Repräsentation mit dem künstlerischen Impetus von figurativen Ganzfiguren eines Renoir und Monet.

Die Ausstellung zeigt Verarbeitungen und Rezeptionen, zum Beispiel bei Johann Heinrich Ramberg die Einflüsse des Engländers Joshua Reynolds oder bei Karl Joseph Stieler die Vorbildfunktion seines Lehrers François Gérard. Das Hauptwerk von Otto Scholderer Mädchen mit einer Schüssel Kirschen lebt von den Erfahrungen des Künstlers mit belgischer, britischer und französischer Malerei.

Dass sich das 19. Jahrhundert mehrfach spaltete, kommt in der Auswahl selbstredend zum Tragen. Dies reflektiert auch die Akademieausbildung der Künstler. Deutsche Zöglinge ergriffen am Beginn des Jahrhunderts die Chance, authentisch die Meister französischer Malerei in ihren Pariser Ateliers arbeiten zu sehen und dort zu studieren. Der Berliner Wilhelm Wach lernte

so in den Werkstätten von Jacques-Louis David und Antoine-Jean Gros. Von ihm brilliert in der Präsentation das Typenbildnis einer Italienerin.

Die Portraitkunst spiegelt Eitelkeiten, Schönheitsideale, Profilneurosen genauso wider wie formalen Erfindungsreichtum, ausgedrückt unter anderem im Charakterbildnis, Künstlerselbstbildnis, Atelierstück, ferner im repräsentativen Ausstattungsstück, Typenbildnis, in der genremäßigen Situationsstudie sowie der Gruppen- und Familiendarstellung. Im Bildnis werden Lebenswerte sichtbar – gelebte, gewünschte und erdachte. Wie stelle ich mich dar? Wie sieht mich das Gegenüber? Was bestimmen Zeit und Welt? Solche aktuell klingenden Fragen zum ins rechte Licht gesetzten Menschen beschäftigten das bildersüchtige 19. Jahrhundert in mannigfachen Darstellungsweisen.

Dabei verlangt die Sprache des Antlitzes und des Körpers eine besondere Begabung des Künstlers, physische und psychische Kondition des Modells zu erfassen. Schon die Griechen wussten um Macht und Manipulation eines Bildnismalers, wenn es hieß: Die Portraitisten seien Menschenbildner.

In der Sammlung des Museums Georg Schäfer gehört das repräsentative Ausstattungsstück zum Ausgesparten. Die „Fälle“ – Ferdinand von Rayskis Gemälde Die drei Kinder des Freiherrn von Bechtolsheim und Anselm Feuerbachs Modell-Paradestück Bildnis einer jungen Römerin – liegen anders, explizit gerichtet auf die Adelung der künstlerischen Idee.

Der Sammler Georg Schäfer hatte sich beim Ankauf von Bildnissen nicht auf den zeitgepolten Ahnenkult konzentriert. Er richtete seine Sammleraussage vielmehr auf Menschenbilder, Dichter, Denker, Politiker, Maler und Musiker. Unter den Dargestellten befinden sich Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur: Kaiser Wilhelm II., Prinz Carl von Bayern, König Ludwig II. von Bayern, Otto von Bismarck (freundliche Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland), Gebhard Leberecht von Blücher, Theodor Heuss, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Franz Schubert, Richard Wagner, August Borsig.

Zu den vertretenen Künstlern zählen unter anderem: Walter Georgi, Anton Graff, Olaf Gulbransson, Max Hess, Wilhelm Leibl, Franz Lenbach, Gabriel von Max, Adolph Menzel,

Zur SonderpräsentationMax Liebermann, Otto Scholderer, Moritz von Schwind, Franz Skarbina, Max Slevogt, Carl Spitzweg, Hans Thoma und Karl Wilhelm Wach. Was in der Jubiläumsausstellung zu erfahren ist, bleibt der radikale Dimensionswandel vom Idealportrait bis zum Avantgarde-Erlebnis der Zeit vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Im Heute sind es eher die Photographen als die Maler, die sich dem Individual- und Situationsportrait im Sinne eines nachforschenden Sehens widmen. Auch ohne große Worte überzeugen die im Foyer des Museums ausgestellten Photographien von Volker Hinz (geb. 1947) und Harald Schmitt (geb. 1948) mit der Kunst der Augenblicks-Wahrung.

Wir freuen uns, Ihnen anlässlich des Jubiläums 2010 eine Ganzhausbespielung auf allen Ebenen des Hauses vorstellen zu können.

In der Ständigen Sammlung finden Sie folgerichtig Säle und Kabinette in lockerer Folge neu gestaltet.

Die Arbeiten auf Papier werden in zwei thematisch unterschiedlichen Präsentationen gezeigt.

Erste Graphik-Präsentation:   9. Mai bis 1. August 2010
Der Künstler und die Seinen
Zweite Graphik-Präsentation: 14. August bis 31. Oktober 2010 Gezeichnete Bildnisse. Moment und Dauer

Bitte beachten Sie, dass es zwischen den beiden Präsentationen vom 2. bis 13. August eine kurze Umbauphase geben wird, in der nur die Ausstellung der Gemälde zu besichtigen ist.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, farbig bebilderter Katalog. Der Band dient überdies als Dokumentation der ersten Dekade des Kulturbetriebes Museum Georg Schäfer. Er reflektiert die Museumskunde eines neu gegründeten Hauses mittlerer Größenordnung in deutscher und internationaler Museumslandschaft.

Reduzierter Eintritt zum Jubiläum: 6,00 €, ermäßigt 5,00 €

Gabriel von Max, Lesender Affe, 1915, Öl auf Holz, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Gabriel von Max, Lesender Affe, 1915, Öl auf Holz, © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Arnold Böcklin, Judith, 1888, Tempera auf Holz, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Arnold Böcklin, Judith, 1888, Tempera auf Holz, © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Max Slevogt, Die Zeitungsleser, 1890, Öl auf Leinwand, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Max Slevogt, Die Zeitungsleser, 1890,
Öl auf Leinwand,
© Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Franz von Lenbach, Otto Graf von Bismarck, sitzend mit langer Pfeife, o. D., Öl auf Leinwand, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Museen Schloss Aschach, Bezirk Unterfranken
Franz von Lenbach, Otto Graf von Bismarck, sitzend mit langer Pfeife, o. D.,
Öl auf Leinwand, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Museen Schloss Aschach, Bezirk Unterfranken
Adalbert Kossak, Wilhelm II. und Kossak im Atelier
Adalbert (Wojciech) Ritter von Kossak, Menzel,
Wilhelm II. und Kossak im Atelier des polnischen Malers, 1895/1900, Öl auf Holz,
© Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Vincenz Georg Kininger, Alois Wenzel Fürst Kaunitz und Familie im Garten, um 1810, Aquarell, Gouache, Rötel, Bleistift, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Vincenz Georg Kininger, Alois Wenzel Fürst Kaunitz und Familie im Garten, um 1810, Aquarell, Gouache, Rötel, Bleistift,
© Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Franz von Lenbach, Selbstbildnis, um 1875, Mischtechnik auf Karton (Pastell, Gouache), Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Franz von Lenbach, Selbstbildnis, um 1875, Mischtechnik auf Karton (Pastell, Gouache),
© Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Johann Georg von Dillis, Des Künstlers Bruder Cantius Dillis schlafend, um 1795, Aquarell über Bleistift, Randleiste Pinsel in Schwarz auf Papier, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Johann Georg von Dillis, Des Künstlers Bruder Cantius Dillis schlafend, um 1795, Aquarell über Bleistift, Randleiste Pinsel in Schwarz auf Papier, © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

 

Sonderpräsentation im Foyer

 

Photographische Portraits
von Volker Hinz und Harald Schmitt

 

 

9. Mai 2010 bis 31. Oktober 2010

 

Im Foyer des Museums empfängt den Besucher eine opulente Auswahl von rund einhundert photographischen Portraits der beiden Photographen Volker Hinz und Harald Schmitt.

Ihre Aufnahmen zeigen Menschen aus Politik, Kultur und Gesellschaft der 70er bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die beiden langjährigen Mitarbeiter des STERN, die bereits vielfach für Ihre Photographien ausgezeichnet wurden, gehören zu den wertvoll und selten gewordenen „Investigatoren“ kultureller und gesellschaftlicher Abläufe.

Ihre Bilder erweitern das Panorama der Portraitkunst vom 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

 

Harald Schmitt, Erich Honecker überreicht Bundeskanzler Helmut Schmidt auf dem Bahnhof in Güstrow (DDR) zum Abschied seines Besuches ein Bonbon, Februar 1981
Harald Schmitt, Erich Honecker überreicht Bundeskanzler Helmut Schmidt auf dem Bahnhof in Güstrow (DDR) zum Abschied seines Besuches ein Bonbon, Februar 1981,
© Harlad Schmitt
Harald Schmitt, <em>David Shiner</em>, August 1986
Harald Schmitt, David Shiner, August 1986,
© Harlad Schmitt
Harald Schmitt, Indira Ghandi, August 1976
Harald Schmitt, Indira Ghandi, August 1976,
© Harlad Schmitt
Harald Schmitt, Heiner Müller, Dezember 1981
Harald Schmitt, Heiner Müller, Dezember 1981,
© Harlad Schmitt
Harald Schmitt, Oscar Kokoschka und Carl Zuckmayer, 1976
Harald Schmitt, Oscar Kokoschka und Carl Zuckmayer, 1976, © Harlad Schmitt